Mensch und Mikrobe

(Jena, 12.5.2016) Ebola, Dengue, Tuberkulose und jetzt Zika wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Brasilien – Meldungen über Ausbrüche häufen sich, verbreiten unter dem Signalwort „Seuche“ Angst vor Pandemien und sind trotz modernster medizinischer Forschung kaum kontrollierbar. In einer zunehmend globalisierten Welt mit rasanten Verstädterungsraten und gewaltigen Migrationsströmen sind Infektionskrankheiten eine Herausforderung für die gesamte Menschheit. Zur Macht der Krankheitserreger über das Individuum und ganze Gesellschaften inklusive ihrer Wirtschaftskraft sprach am Donnerstag im Abbe-Zentrum auf dem Beutenberg der renommierte Mikrobiologe Prof. Dr. Stefan Kaufmann. Als Direktor der Immunologie am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin beleuchtete er im Rahmen der „Noblen Gespräche“ nicht nur die Auslöser todbringender Epidemien, sondern nahm das komplexe Verhältnis zwischen Mensch und Mikrobe in den Blick. Kaufmann zeigte mit eindrücklichen Vergleichen, dass im menschlichen Körper mehr mikrobielle Zellen leben als Menschen auf dem gesamten Globus und um ein Vielfaches mehr als menschliche Zellen. Dabei können Mikroben als Freund oder Feind agieren, so der weltweit gefragte Tuberkulose-Experte. Neben einem spannenden Überblick zur aktuellen Forschung, verblüffte er mit den Erkenntnissen, dass zahlreiche Krebserkrankungen und auch Adiposita mit Infektionen in unmittelbarer Verbindung stehen. Das Mikrobiom beeinflusst viele Prozesse aber auch wir beeinflussen mit unserem Lebensstil unser Mikrobiom, wie Kaufmann unterhaltsam erläuterte. Aufgrund der Komplexität, die verstanden werden muss um Seuchen nachhaltig zu bekämpfen, ist eine enge Verknüpfung der Forschungsbereiche nötig. Da war Kaufmann ganz richtig am Beutenberg. Mit einer herzlichen Einladung zur engeren Kooperation überreichte der Vorsitzende des Beutenberg-Campus e.V., Prof. Dr. Boland, zum Abschluss der Veranstaltung das Jena Buch vom Schützeverlag. Darin könne sich Kaufmann über die traditionsreiche Verbindung des Beutenbergs mit der Mikrobiologie- und Immunologie-Forschung informieren, empfahl der Direktor des Max-Planck Instituts für Chemische Ökologie dem Gast aus der Hauptstadt.