Treibhausgase und Aerosole: Das Tauziehen ums Klima

(Jena, 6.4.2017) „Alles, was wir bisher zum Klimaschutz getan haben, läuft immer noch direkt auf das Katastrophenszenario zu.“, so die bittere Bilanz des renommierten Klimaforschers Prof. Dr. Dr. h.c. Meinrat O. Andreae am gestrigen Abend. „Das Tauziehen ums Klima“, Titel seines Vortrags im Rahmen der Noblen Gespräche, ist in Zeiten einer den Klimawandel negierenden US Administration und gewaltigen Migrationen von Klimaflüchtlingen von hoher Brisanz. Doch nicht Donald Trump und seine Fake News zu den anthropogenen Ursachen des Klimawandels standen im Fokus der Betrachtung. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz zeigte primär die komplexen Verknüpfungen und Rückkopplungsprozesse zwischen den Global Playern der der anthropogenen Klimabeeinflussung – den Treibhausgasen und Aerosolen auf. Aerosolpartikel in der Atmosphäre, auch als Feinstaub bekannt, haben seit der Industrialisierung und exzessiver Landnutzung der Erderwärmung durch die Treibhausgase entgegen gewirkt. Da Aerosolpartikel als Kondensationskeime für Wolkenbildung dienen und somit auch erheblichen Einfluss auf die Strahlungseffekte in der Atmosphäre haben, ergibt sich in ihrer Wirkbilanz ein „kühlender Effekt“ für unseren Planeten. „In gewisser Weise haben sie wie ein Klimaschutz gewirkt und damit die wahre Größenordnung des Klimawandels verschleiert.“, so das Mitglied des Weltklimarates. Im Gegensatz zu den Treibhausgas-Emissionen waren jedoch die gesundheitsschädlichen Wirkungen der Aerosole in den chronischen Dunstschleiern der Städte für viele Bewohner direkt spürbar und führten zu einem Umdenken. Der Peak der 80ziger ist überschritten und im globalen Mittel ist eine Abnahme der Aerosolemissionen zu verzeichnen. Was unsere Lungen zunächst aufatmen lässt, hat signifikante Konsequenzen für die Erwärmung der Erdatmosphäre. Zudem wird die Aerosolverteilung weiter wichtigen Einfluss auf das regionale Klima insbesondere in bereits stark belasteten Gebieten haben, gerade in Bezug auf den Wasserkreislauf. Das Ende des „Klimaschutzes“ durch Aerosole in Kombination mit einer möglicherweise hohen Empfindlichkeit des Klimasystems verlangt eine sofortige aggressive Reduktion der CO2 Emissionen, in einer Größenordnung die bisher noch kein Papier eines Klimaabkommens gesehen hat, laut Prof. Andreae. Sein abschließender Appell richtete sich nicht nur an die Regierungen, sondern an die Verantwortlichkeit jedes einzelnen. Er habe keine Illusion, dass bei derartig widerstreitenden Zielen der einzelnen Verantwortlichen es zu einem schnellen, einheitlichen Handeln käme. Es sei denn, sie erhielten einen unmissverständlichen Auftrag von der Bevölkerung. Daher werde er auch nicht müde mit Hilfe von Vorträgen wie in Jena, ein Umdenken zu forcieren. Um den Wahl-Kalifornier erneut nach Jena zu locken, überreichte der Instituts Direktor des MPI für Chemische Ökologie, Herr Prof. Dr. Wilhelm Boland, das Jena Buch des Schützeverlages. Auch die Wissenschaftspreisträger Dr. Thomas Bocklitz und Dr. Dapeng Li freuten sich über Einblicke in Jenas Geschichte, Wirtschaft und Kultur.